Freiwilligenarbeit im Ausland

Was ist das eigentlich?

„Freiwilligenarbeit“ - hinter diesem Wort verbirgt sich ein Weg ins Ausland, der in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist. Beim „Volunteering“, wie die Freiwilligenarbeit auch manchmal genannt wird, arbeiten junge Menschen für eine begrenzte Zeit – einige Wochen oder einige Monate – im Rahmen eines gemeinnützigen Projekts im  Ausland. Wie der Name schon vermuten lässt, wird diese Arbeit nicht bezahlt.

Freiwilligenarbeit in Naturreservaten


Die Zielländer sind meist in Lateinamerika, Afrika oder Asien. Hier arbeiten die Freiwilligen oft in Sozial- oder Bildungsprojekten –  in Schulen oder Waisenhäusern zum Beispiel, in der Erwachsenenbildung oder auch im Gesundheitswesen. Umwelt- und Tierschutzprojekte stehen ebenfalls oft zur Wahl.

Und jetzt kommt eine wichtige Unterscheidung: Die Arbeit der Freiwilligen kommt der Allgemeinheit zugute, die Organisatoren dieser Projekte sind aber meistens kommerziell ausgerichtete Reiseagenturen. Die Agenturen werden von den Freiwilligen dafür bezahlt, dass sie ihnen eine Freiwilligenarbeit vermitteln und den ganzen Auslandsaufenthalt organisieren. Man kann eine Freiwilligenarbeit im Ausland also buchen wie eine Reise: Man sucht sich eine Agentur, schaut sich an, welche Projekte in welchen Ländern derzeit laufen, und entscheidet sich dann für eines davon. Die Agentur meldet Sie an, organisiert eine Unterkunft für Sie, vielleicht auch Ihre Anreise, Ihren Versicherungsschutz oder einen vorbereitenden Sprachkurs. Da gibt es ganz unterschiedliche Pakete – so ähnlich als ob Sie eine Urlaubsreise buchen würden. Und wie bei einer Urlaubsreise brauchen Sie auch zuvor keine Bewerbung zu schreiben und keine Zeugnisse vorzulegen. Für die meisten Projekte werden keine beruflichen Vorkenntnisse gefordert.

 

Was Freiwilligenarbeit nicht ist

Aus dem Gesagten geht es eigentlich schon hervor: Freiwilligenarbeit ist keine Entwicklungshilfe. Für die Aufgaben, die bei den Projekten erledigt werden müssen, brauchen Sie soziales Engagement, aber keine fachliche Ausbildung. Während Entwicklungshelfer europäisches Know-how, Gelder und Geräte mitbringen, setzen Volunteers ihre Arbeitskraft und ihren Idealismus ein.

Freiwilligenarbeit ist auch kein Freiwilligendienst, wie z.B. das Freiwillige Soziale Jahr im Ausland oder der Europäische Freiwilligendienst. Im Vergleich zu den Auslandsdiensten ist die Freiwilligenarbeit, von der wir hier sprechen, auf kürzere Dauer angelegt – höchstens einige Monate, während die Dienste oft ein Jahr in Anspruch nehmen. Daher ist die Erfahrung mit Land und Leuten, auch die Erfahrung mit der Arbeit wahrscheinlich weniger intensiv, und auch die fachliche Vorbereitung ist weniger gründlich. Andererseits kann man Freiwilligenarbeit auch dann absolvieren, wenn man weniger Zeit hat – schließlich kann oder will sich nicht jeder ein Jahr Auszeit von Beruf oder Studium erlauben. Auch sind die Plätze bei den Auslandsdiensten oft begrenzt – es kann lange dauern, bis man bei einem Projektträger einen Platz gefunden hat. Freiwilligenarbeit dagegen kann man buchen wie einen Urlaub.

Realistischerweise muss man sich aber klar machen, dass man durch einen dreiwöchigen Freiwilligenaufenthalt nicht die Welt retten kann. Gerade bei den kürzeren Aufenthalten reicht die Zeit kaum hin, sich richtig in eine Aufgabe hineinzuknien, und die Projektleiter vor Ort können den schnell wechselnden Freiwilligen auch nicht immer soviel von ihrem Land und dessen Problemen zeigen, wie es für die Projektarbeit nützlich wäre.

Vor allem kurze Aufenthalte werden daher dem Fortschritt der Menschheit nur in Maßen dienen – sie sind vor allem eine ganz besondere Form von Bildungsreise.
 

 

Was spricht für Freiwilligenarbeit?

Freiwilligenarbeit ist gut geeignet für junge Menschen, die einen Einblick in das Leben und die Alltagsprobleme eines fernen Landes hinter den touristischen Fassaden erhalten wollen, ohne ihr eigenes Berufsleben, ihr Studium oder ihre Ausbildung daheim länger unterbrechen zu müssen.

Für Freiwilligenarbeit kann sprechen:

  • der kulturelle Lerneffekt: Besonders bei Sozialprojekten kommen Freiwillige mit Menschen und Milieus in Kontakt, die man als Praktikant oder normaler Arbeitnehmer kaum kennenlernt.

  • die ungezwungenere Atmosphäre: Freiwilligenarbeit ist keine Erwerbsarbeit. In Freiwilligenprojekten herrscht meist ein entspannterer Geist als in einem Wirtschaftsunternehmen – die Teilnehmer sind nicht hier, um ihre Karriere zu fördern oder die nächste Rate fürs Eigenheim zu finanzieren.

  • die kurze Dauer: Freiwilligenarbeit lässt sich durchaus in den Semesterferien oder im Jahresurlaub unterbringen – man braucht nicht unbedingt eine berufliche oder eine Studienauszeit zu nehmen.

  • der geringe Organisationsaufwand und die geringe Vorlaufzeit: Die Organisation des Aufenthalts übernimmt eine Agentur. Wie bei einem Urlaub braucht man nur zum geplanten Zeitpunkt anzureisen.

  • der leichte Zugang: Einen Freiwilligenarbeitsaufenthalt kann man einfach buchen. Man braucht kein aufwändiges Bewerbungsverfahren zu durchlaufen – die Zahl der Stellen ist praktisch unbegrenzt.
      

 

Wer macht Freiwilligenarbeit?

Die meisten Freiwilligenarbeitsprogramme haben eine Altersbegrenzung – oft liegt sie bei 30 Jahren. Daher sind viele Freiwillige Studierende oder junge Berufstätige. Vor allem längere Aufenthalte werden häufig zwischen zwei Lebensphasen eingeschoben – z.B. zwischen Abitur und Studium; oder zwischen Ausbildungsende und Berufseinstieg.

 

Wie läuft Freiwilligenarbeit ab?

Im Einzelnen ist der Ablauf je nach Agentur und Projekt verschieden. Oft ist es aber ungefähr so:

Sie besorgen sich Infomaterial von verschiedenen Agenturen. (Das können Sie auch gleich hier tun.) Wenn Sie ein Programm gefunden haben, das Ihnen zusagt, buchen Sie den Aufenthalt über die Agentur. Zuvor haben Sie alle Fragen, die der Prospekt Ihnen nicht beantwortet hat, direkt mit der Agentur geklärt. Den Arbeitsbeginn können Sie oft frei wählen.

Zum geplanten Zeitpunkt fliegen Sie in die Hauptstadt des Landes, für das Sie sich entschieden haben, und checken in der gebuchten Unterkunft ein. Oft gibt es jetzt einige Einführungstage, die Sie auf das Leben hier und auf Ihre Arbeit vorbereiten sollen. Wenn Sie bei der Agentur einen Auffrischungssprachkurs mitgebucht haben, werden Sie anschließend vielleicht zwei Wochen die Schulbank drücken.

Dann beginnt Ihre Arbeit. Die Freiwilligenprojekte finden oft außerhalb der Hauptstadt statt – in diesem Fall müssen Sie innerhalb des Landes umziehen. Die Arbeit selbst wird in der Regel von einheimischen Projektleitern organisiert, die von Ihrer Agentur unabhängig arbeiten. Oft nennt Ihnen Ihre Agentur zusätzlich einen Ansprechpartner, an den Sie sich wenden können, falls es irgendwelche Probleme gibt. Bei der Arbeit treffen Sie meist andere Freiwillige aus aller Welt. Bei längeren Aufenthalten können Sie manchmal nach einer Weile das Projekt wechseln, um noch etwas anderes kennen zu lernen.

Dann ist die Zeit um, und Sie fliegen mit vielen neuen Erfahrungen in ihr altes Leben zurück.

 

Wer bietet Freiwilligenarbeit an?

Es gibt mittlerweile eine kaum noch überschaubare Anzahl von Agenturen, die Freiwilligenarbeit organisieren. Fast alle arbeiten mehr oder weniger kommerziell. Eigentlich sind das Reiseveranstalter, die sich auf einen bestimmten Typ von Bildungsreise spezialisiert haben.

Wir haben in unsere Programmrubrik eine Vielzahl von Programmen zur Freiwilligenarbeit einiger bekannter Anbieter aufgenommen.

 

Aber ist das dann nicht reiner Kommerz ?

Nein. Die deutschen Reiseagenturen, die Freiwilligenarbeit vermitteln oder organisieren, arbeiten in der Tat kommerziell. Aber das ist ja auch durchaus sinnvoll. In den Agenturen arbeiten Reise-Experten, die dafür sorgen, dass die Aufenthalte in fernen, exotischen Ländern so reibungslos und sicher ablaufen, wie man das als Mitteleuropäer ohne Erfahrung mit Slums, Dschungeln und Bürgerkriegen haben möchte. Eine Städtepartnerschaft in Europa lässt sich sicher auch von enthusiastischen Ehrenamtlern organisieren - wenn es um den Aufenthalt in den Armenvierteln einer indischen Millionenstadt geht, sind jedoch eher Profis gefragt. Und Profis kosten Geld - nicht weil es ihnen am wahren Engagement fehlt, sondern weil sie ja von irgendetwas leben müssen.

Übrigens sind auch die Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr im Ausland ohne Geld nicht durchführbar. Auch hier müssen ja Flüge bezahlt, Lebensmittel gekauft, Unterkünfte gemietet, Arbeitsmittel beschafft und angestellte Mitarbeiter entlohnt werden. Das Geld wird hier nur anders beschafft - über Spenden.