Der Europäische Freiwilligendienst

Nicht nur die deutsche Bundesregierung und der deutsche Bundestag, sondern auch die Europäische Union möchte die interkulturelle Kompetenz junger Menschen fördern. Deshalb gibt es seit 1998 den Europäischen Freiwilligendienst (EFD). Er soll jungen Europäern die Möglichkeit geben, andere Länder kennen zu lernen, und das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

 

Wer steht hinter dem Europäischen Freiwilligendienst ?

Hinter dem EFD steht die EU, genauer die Europäische Kommission in Brüssel. Sie fördert den Austausch von Freiwilligen mit viel Geld. In den einzelnen Mitgliedsländern der EU sind jeweils sogenannte nationale Agenturen für die Durchführung des EFD zuständig. Die nationale Agentur für Deutschland heißt „Jugend für Europa“ und sitzt in Bonn. Wenn man sich über den EFD informiert, stößt man auch immer wieder auf den Begriff „Erasmus plus“. Das ist der Name des EU-Fördertopfes , aus dem der EFD finanziert wird.

 

Für wen ist der Dienst gedacht?

Der Europäische Freiwilligendienst wendet sich an Europäer im Alter zwischen 17 und 30 Jahren. Weitere Bedingungen gibt es nicht. Der EFD will ausdrücklich auch Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf ansprechen; das können junge Menschen mit Migrationshintergrund sein, Menschen mit problematischer Schul-Laufbahn, arbeitslose Menschen oder auch Menschen mit Behinderung.

 

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?

Der EFD bietet ein ähnlich großes Einsatzspektrum wie das Freiwillige Soziale Jahr. Es gibt Projekte zu sozialen, ökologischen und kulturellen Themen. EFD-Freiwillige arbeiten in Behinderteneinrichtungen, Flüchtlingsprojekten, Naturschutzorganisationen, Schulen, Kulturzentren und an vielen anderen Orten.

 

In welchen Ländern kann man den Dienst leisten?

Einen Europäischen Freiwilligendienst kann man nicht nur in Mitgliedsländern der EU ableisten. Fast alle europäischen Länder einschließlich Russlands kommen als Ziele in Frage, darüber hinaus noch die südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers von Marokko bis Syrien und die Staaten der Kaukasus-Region.

 

Wie lange dauert der Dienst?

Der EFD kann zwischen zwei Monaten und einem Jahr dauern. In seltenen Fällen gibt es auch kürzere Projekte.

 

Was kostet die Teilnahme?

Nichts. Und das ist etwas Besonderes. Beim Europäischen Freiwilligendienst werden die Kosten für Verpflegung und Unterkunft komplett von der Trägerorganisation bzw. von den europäischen Fördergeldern abgedeckt. Die Organisationen dürfen von den Freiwilligen kein Geld verlangen. Das ist bei allen anderen Freiwilligendiensten anders.

Nur bei den Reisekosten müssen die Freiwilligen eventuell selbst in die Tasche greifen. Zwar werden auch diese von der EU mit einem Pauschalbetrag bezuschusst; der reicht aber unter Umständen nicht aus.

Die nationale Agentur „Jugend für Europa“ weist darauf hin, dass Trägerorganisationen, die neben dem EFD noch andere Dienste anbieten, manchmal versuchen, auch den EFD'lern eine Kostenbeteiligung aufs Auge zu drücken. Das ist nicht in Ordnung und kann dazu führen, dass die Organisation ihre Zulassung für den EFD verliert.

 

Welche Leistungen bekommen die Freiwilligen?

Beim EFD sind Essen und Unterkunft frei. Außerdem wird ein Taschengeld gezahlt, dessen Höhe sich nach dem Einsatzland richtet. Die Reisekosten werden bezuschusst.

Der EFD bietet noch eine weitere Besonderheit: Alle Teilnehmer bekommen während ihres Auslandsaufenthalts einen Sprachkurs finanziert. Unter Umständen kann man den auch schon vor der Ausreise machen – das muss aber extra beantragt werden.
Neben dem Sprachkurs gibt es noch mehr Bildungsprogramm. Am Anfang des Dienstes steht ein Einführungstraining; später gibt es noch ein Zwischentreffen.

Wie bei anderen bildungsorientierten Diensten auch bekommt jeder Teilnehmer einen festen persönlichen Ansprechpartner, der ihn während des Aufenthalts betreut.

Die Teilnehmer werden von der Entsendeorganisation fürs Ausland kranken-, unfall- und haftpflichtversichert. Für ihre deutsche Sozialversicherung müssen die Freiwilligen aber selbst sorgen.

Kindergeld wird während des EFD weiter gezahlt.

Auch EFD-Freiwillige haben ein Recht auf Urlaub.

 

Wer bietet Dienstplätze an?

Die Bereitstellung von Plätzen ist beim EFD etwas anders geregelt als bei den deutschen Freiwilligendiensten.

Der EFD beruht auf dem Zwei-Partner-Modell. Wenn eine deutsche gemeinnützige Organisation EFD-Plätze anbieten will, muss sie sich eine ebensolche Partnerorganisation in einem anderen Land suchen. Beide Organisationen müssen sich bei der jeweils zuständigen nationalen Agentur registrieren lassen. Dann stellen die beiden ein Kooperationsprojekt auf die Beine – das kann ein größeres Vorhaben mit vielen Freiwilligen sein, aber auch ein einzelner EFD-Platz für einen einzelnen Freiwilligen. Dieses gemeinsame Projekt legen sie der EU zur Begutachtung vor. Wenn es für gut und seriös befunden wird, können die beiden Partnerorganisationen Freiwillige austauschen, d.h. die deutsche Organisation entsendet Freiwillige in eine Einrichtung der ausländischen Partnerorganisation – und je nach Projektart auch umgekehrt.

 

Wo muss man sich bewerben?

Bewerben muss man sich direkt bei einer registrierten Organisation, die mit einem ausländischen Partner ein laufendes EFD-Projekt betreibt – oder aber eigens für Sie als Bewerber ein solches schaffen könnte. In diesem zweiten Fall sucht die deutsche Organisation speziell für Sie oder mit Ihnen eine passende ausländische Organisation, definiert dann mit dieser Organisation eigens für Sie ein Projekt – nämlich das Projekt, Sie dorthin zu schicken – und beantragt dafür dann Fördermittel bei der EU. Kompliziert? Ja, aber vor allem für die Organisationen.

Auf den Seiten der EU gibt es eine Datenbank, in der alle registrierten („akkreditierten“) Einrichtungen zu finden sind:
http://europa.eu/youth/evs_database_de   
In Deutschland gibt es mehr als 200 solcher Organisationen.

Manchmal werden Freiwilligenplätze auch direkt ausgeschrieben. Auch dafür gibt es bei der EU eine Internetdatenbank:
http://europa.eu/youth/vp/opportunity_list_de

 

Weitere Infos

Die in Deutschland zuständige Agentur „Jugend für Europa“ betreibt eine Infoseite zum EFD:
https://www.go4europe.de

Eher an Entsende- und Aufnahmeorganisationen wendet sich folgende Seite, hinter der ebenfalls „Jugend für Europa“ steht:
https://www.jugend-in-aktion.de
(„Europäischer Freiwilligendienst“ anklicken)

Die EU selbst betreibt das „Europäische Jugendportal“ mit einigen weiterführenden Infos:
http://europa.eu/youth/EU/voluntary-activities/european-voluntary-service_de

 

Fazit

Der Europäische Freiwilligendienst ist quasi das europäische Gegenstück zum Internationalen Jugendfreiwilligendienst der Bundesregierung. Er bietet den Freiwilligen besonders gute Konditionen.