Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst

Auf ein einziges Land spezialisiert (bzw. natürlich eigentlich auf zwei) ist der Deutsch-Französische Freiwilligendienst.  Die Freiwilligen können bei der Suche nach einem Dienstplatz zwischen einer Vielzahl thematischer Bereiche wählen – alle Dienstplätze sind aber in Frankreich (bzw. für Franzosen in Deutschland). Und das ist der Sinn der Sache, denn der Dienst soll dazu beitragen, dass junge Deutsche und Franzosen ihr jeweiliges Nachbarland, seine Gesellschaft, seine Kultur und seine Sprache besser kennen lernen.

In den folgenden Abschnitten wollen wir den Dienst vor allem aus der Sicht deutscher Freiwilliger beschreiben.

 

Wer steht hinter dem Deutsch-Französischen Freiwilligendienst ?

Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst ist ein Kind der vielbeschworenen deutsch-französischen Freundschaft und wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk organisiert. Aber obwohl es das Jugendwerk schon seit 1963 gibt, wurde der Dienst erst 2007 ins Leben gerufen.

Das Jugendwerk ist eine internationale Organisation, die von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs finanziert wird.

 

Für wen ist der Dienst gedacht?

Der Dienst ist für Menschen zwischen 18 und 25 Jahren gedacht, die sich für das Leben in Frankreich interessieren. Freiwillige müssen entweder die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder seit mindestens einem Jahr in Deutschland leben und deutsch sprechen.

Wie gut muss ihr Französisch sein? Das hängt von der Einsatzstelle ab. Wer an einer französischen Schule arbeiten möchte, muss auf jeden Fall schon ziemlich gut französisch sprechen; bei anderen Stellen sind die Ansprüche oft nicht so hoch. Bei Bedarf kann man beim Jugendwerk ein Stipendium für einen Intensivsprachkurs beantragen.

 

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?

Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst teilt sich in zwei Unterprogramme.

Beim Schulprogramm arbeiten die Teilnehmer an französischen Schulen. Sie assistieren im Unterricht, arbeiten in Schulprojekten mit oder auch bei außerschulischen Aktivitäten.

Beim Vereinsprogramm arbeiten die Freiwilligen in einem gemeinnützigen Verein aus den Bereichen Soziales, Kultur, Sport oder Ökologie. Dabei sollen sie ein eigenes Projekt umsetzen, das sich an ihren Interessen und Fähigkeiten ausrichten soll. Das Einsatzspektrum ähnelt dem des Freiwilligen Sozialen Jahres in Deutschland. Behinderteneinrichtungen, Museen, Sportvereine, Umweltschutzorganisationen – vieles ist möglich.

 

In welchen Ländern kann man den Dienst leisten?

In Frankreich. Logisch.

 

Wie lange dauert der Dienst?

Bei einem Dienst im Schulprogramm beträgt die Dienstzeit 10 Monate; im Vereinsprogramm sind es 12 Monate.

 

Was kostet die Teilnahme?

Auch hier muss man zwischen dem Schul- und dem Vereinsprogramm unterscheiden.

Das Schulprogramm läuft nach den in Frankreich gesetzlich fixierten Regeln eines französischen Freiwilligendienstes (Service Civique) ab. Die Freiwilligen bekommen eine geringe Vergütung vom französischen Staat und zusätzliche Leistungen von der Schule. Wer damit nicht auskommt, muss eigenes Geld in die Hand nehmen.

Beim Vereinsprogramm gibt es einen Zuschuss zu Kost und Unterkunft sowie ein Taschengeld. Auch hier gilt: Wem das nicht reicht, der muss eigenes Geld mitbringen.

Bei beiden Programmen wird eine Haftpflichtversicherung verlangt und eine Auslandskrankenversicherung empfohlen. Beide Versicherungen muss man selbst abschließen und selbst bezahlen.

 

Welche Leistungen bekommen die Freiwilligen?

Beim Schulprogramm zahlt der französische Staat einen monatlichen Betrag in der Größenordnung von 500€, die Schule leistet darüber hinaus Geld- oder Sachleistungen in geringerem Umfang.

Im Vereinsprogramm bekommen die Freiwilligen ein Taschengeld und einen Zuschuss zu Unterkunft und Verpflegung.

Bei beiden Programmen werden jeweils drei Seminare für die Freiwilligen abgehalten. Die Reisekosten zu den Seminaren werden den Freiwilligen erstattet.
Will ein Freiwilliger einen Intensivsprachkurs besuchen, kann das Deutsch-Französische Jugendwerk über ein Stipendium einen Teil der Kosten übernehmen.

Die Teilnehmer des Deutsch-Französischen Freiwilligendienstes werden sozialversichert.

Während der Dienstzeit besteht weiter Anspruch auf Kindergeld...

...und zu guter Letzt: Anspruch auf Urlaub hat man auch.

 

Wer bietet Dienstplätze an?

Die Dienstplätze beim Schulprogramm werden von französischen Schulen angeboten, die zuvor von einer eigens zu diesem Zweck bestellten Jury ausgewählt worden sind.

Das Vereinsprogramm funktioniert ähnlich wie der Europäische Freiwilligendienst nach dem Zwei-Partner-Modell. Dabei schließt sich jeweils eine gemeinnützige Organisation oder ein gemeinnütziger Verein aus Deutschland mit einer ähnlichen Organisation oder einem ähnlichen Verein aus Frankreich zu einer Partnerschaft zusammen. Die Partner können dann Freiwillige austauschen.  Es ist auch möglich, dass einer der Partner nur Freiwillige entsendet, und der andere nur Freiwillige aufnimmt.  Die entsendende Organisation muss sich wie bei anderen Freiwilligendiensten auch staatlich akkreditieren, also überprüfen und registrieren lassen, damit die Seriosität des Projekts sichergestellt ist. Wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr sind in Deutschland die Bundesländer für die Akkreditierung der Organisationen zuständig. Anders als beim FSJ gibt es aber bislang nur wenige Organisationen, die sich für den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst haben registrieren lassen.

 

Wo muss man sich bewerben?

Das kommt darauf an, ob man sich für das Schul- oder das Vereinsprogramm interessiert.

Wer am Schulprogramm teilnehmen, also an einer französischen Schule arbeiten möchte, muss sich zentral beim Deutsch-Französischen Jugendwerk bewerben, und zwar jeweils zu Jahresbeginn.

Für das Vereinsprogramm bewirbt man sich direkt bei einer der akkreditierten deutschen Entsendeorganisationen, am besten in der ersten Jahreshälfte. Die Organisationen findet man auf der offiziellen Seite des Deutsch-Französischen Freiwilligendienstes.

 

Weitere Infos

Infos über den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst sind im Internet rar gesät. Die zentrale Anlaufstelle ist die offizielle Internetseite des Dienstes:
http://www.volontariat.ofaj.org (deutsch und französisch)

Um den bildungspolitischen Zusammenhang zu verstehen, kann man sich auch die Seite des Deutsch-Französischen Jugendwerks anschauen:
http://www.dfjw.org

 

Fazit

Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst ist ein Dienst für junge Menschen, die sich für Frankreich interessieren. Er hat derzeit noch einen eher exklusiven Charakter, da vergleichsweise wenige Organisationen mitmachen. Umso besser macht er sich vielleicht später im Lebenslauf, wenn man sich für eine Tätigkeit mit Frankreich-Bezug bewerben möchte.